Klandestein: Georg Trakl
Konzert auf dem “Festival Ambient” in Gorlice (Pl.) vom 14.7.06
 

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Im Sommer 2006 hatte ich (Torsten Reiprich) die Freude an einem Projekt der polnischen Formation Klandestein mitzuwirken.

Das Musik & Film Projekt um den Krakower Musiker und Dichter Piotr Grzesik nimmt das letzte Gedicht Georg Trakls “Grodek” zur Grundlage, um die Sinnlosigkeit und Traurigkeit des Kriegs: das große Sterben mit mystisch-meditativen Klängen darzustellen.
Dazu werden Fotos bzw. Filmausschnitten vom 1. Weltkrieg, vor allem von der “Ostfront” damals (das 'Galizische Schlachthaus') und heute (Kriegsgräber, Denkmäler und ‘normales’ Leben) gezeigt.

Dieses Projekt lebt v.a. von Spannungsbögen und Gegensätzen:
So liegt etwa über der Rezitation des deutschen Textes durch Reiprich (quasi dem "basso continuo", welche - in Einzelteile zerlegt mitunter auch eine rhythmische Funktion übernimmt) der oft elfenhaft schwebende Gesang von Marzena Boroń (ganz im Sinn von Trakls: “... unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain ...”), die das Traklgedicht in der polnischen Übersetzung Piotr Grzesiks interpretiert.

Im Film hält sich diese Spannung: herbstliche bzw. winterliche Landschaftsaufnahmen wechseln mit Schlachtszenen und "sterbenden Kriegern." Die Orte des I. Weltkriegs werden damals und heute gezeigt.
Gerade sieht man noch österreichische Soldaten und Offiziere entspannt und siegessicher die letzte Zigarette vor der Schlacht rauchen, schon schwenkt die 'Kamera' auf ein Feld von graßüberwucherten Kriegsgräbern.

Die Ambivalenz und Spannung des Gedichtes "Grodek" zwischen melancholischer Naturbetrachtung und dem blutigem "Schlachten" (Am Abend tönen die herbstlichen Wälder von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen ...), wird durch das Projekt von Klandestein eindrucksvoll umgesetzt.
Auch das im Gedicht mitschwingende Thema der inzestuösen Beziehung Trakls zu seiner Schwester spielt in dem Projekt subtil und ganz unaufdringlich eine Rolle.             T. Reiprich

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Georg Trakl - Grodek

Am Abend tönen die herbstlichen Wälder
Von tödlichen Waffen, die goldnen Ebenen
Und blauen Seen, darüber die Sonne
Düstrer hinrollt; umfängt die Nacht
Sterbende Krieger, die wilde Klage
Ihrer zerbrochenen Münder.
Doch stille sammelt im Weidengrund
Rotes Gewölk, darin ein zürnender Gott wohnt
Das vergoßne Blut sich, mondne Kühle;
Alle Straßen münden in schwarze Verwesung.
Unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen
Es schwankt der Schwester Schatten durch den schweigenden Hain,
Zu grüßen die Geister der Helden, die blutenden Häupter;
Und leise tönen im Rohr die dunkeln Flöten des Herbstes.
O stolzere Trauer! ihr ehernen Altre
Die heiße Flamme des Geistes nährt heute ein gewaltiger Schmerz,
Die ungebornen Enkel.


Noch ein kleines Programm (2 MB) zu Trakls Gedicht Grodek für PC.
Man kann das Gedicht anhören (die Datei Grodek.mp3 ist integriert), lesen, das handschriftliche Original anschauen und sich kurz über die Hintergründe der Entstehung informieren.

Mit einer Grafik von Michael Blümel.

Für unkommerzielle Nutzung frei. Das Programm darf nicht verändert werden.

Inhalt

PC ab Win98 SE, 133MHz, 32MB RAM, Bildschirm min. 800x600

>>> Download Grodek >>>

 

‘Grodek’ wurde für die Zusammenarbeit mit dem poln. Klangprojekt ‘Klandestein’ für das ‘Festival Ambient 2006’ in Gorlice (Pl.) aufgenommen.