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Im Sommer 2006 hatte ich (Torsten
Reiprich) die Freude an einem Projekt der polnischen Formation Klandestein mitzuwirken.
Das Musik & Film Projekt
um den Krakower Musiker und Dichter Piotr Grzesik nimmt das letzte Gedicht Georg Trakls “Grodek”
zur Grundlage, um die Sinnlosigkeit und Traurigkeit des Kriegs: das große Sterben mit mystisch-meditativen Klängen darzustellen. Dazu werden Fotos bzw. Filmausschnitten vom 1. Weltkrieg, vor allem
von der “Ostfront” damals (das 'Galizische Schlachthaus') und heute (Kriegsgräber, Denkmäler und ‘normales’ Leben) gezeigt.
Dieses Projekt lebt v.a. von
Spannungsbögen und Gegensätzen: So liegt etwa über der Rezitation des deutschen Textes durch Reiprich (quasi dem "basso continuo", welche - in Einzelteile zerlegt mitunter auch eine
rhythmische Funktion übernimmt) der oft elfenhaft schwebende Gesang von Marzena Boroń (ganz im Sinn von Trakls: “... unter goldnem Gezweig der Nacht und Sternen es schwankt der Schwester
Schatten durch den schweigenden Hain ...”), die das Traklgedicht in der polnischen Übersetzung Piotr Grzesiks interpretiert.
Im Film
hält sich diese Spannung: herbstliche bzw. winterliche Landschaftsaufnahmen wechseln mit Schlachtszenen und "sterbenden Kriegern." Die Orte des I. Weltkriegs werden damals und heute gezeigt.
Gerade sieht man noch österreichische Soldaten und Offiziere entspannt und siegessicher die letzte Zigarette vor der Schlacht rauchen, schon schwenkt die 'Kamera' auf ein Feld von graßüberwucherten
Kriegsgräbern.
Die Ambivalenz und Spannung des Gedichtes
"Grodek" zwischen melancholischer Naturbetrachtung und dem blutigem "Schlachten" (Am Abend tönen die herbstlichen Wälder von tödlichen Waffen, die goldnen
Ebenen ...), wird durch das Projekt von Klandestein eindrucksvoll umgesetzt. Auch das im Gedicht mitschwingende Thema der inzestuösen Beziehung Trakls zu seiner Schwester spielt in dem Projekt
subtil und ganz unaufdringlich eine Rolle. T. Reiprich
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