...rezensionen zu den Scharlachtöchtern...

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Lyrik

Torsten Reiprich: Scharlachtöchter
von Volly Tanner anno 2003

Erdige Gedichte, von Heute und für Immer!

"Scharlachtöchter - Gedichte jenseits der Fabrik" - hat Lyrik noch eine Chance? Oh ja, Freunde der italienischen Oper, Lyrik lebt! Torsten Reiprich hat mit seinen Gedichten, erschienen bei Edition Kirchhof & Franke, in der blauen Reihe, einen großen Wurf getan. Texte, sehr naturnah, liebevoll beobachtend, zeitlos und jedes Lächeln dankbar aufnehmend. Es sind die kleinen Momente, die Glück verheißen. Kinderaugen, warme weibliche Haut, das ganz Private, nicht der große Pathos, eher die Mohnblumen auf dem Feld ...
Danke, Torsten, man riecht den Sommer, die Ackerkrume und den guten trockenen Rotwein in deinen Texten. Man lehnt sich zurück, läßt das Lagerfeuer vor sich hinfackeln, zündet sich eine gute französische Zigarette an und freut sich an den langen Haaren der jungen Frau gegenüber, deren Brüste honigsüß nach männlichen Lippen rufen. Ein Lyrikband wie ein erschöpfter Hofhund, der den ganzen Tag hinter dicken Hummeln hergetollt ist und nun in der Abendsonne döst.
Der Geschmack von Eintopf, mit gerade gepflückten Bohnen und Kartoffeln, jenseits holländischer Genfabriken. Und das alles in einfachen Worten, bildhaft, schön und bernsteinfarben ...

Torsten Reiprich: Scharlachtöchter. Leipzig: Edition Kirchhof und Franke 2001. ISBN 3-933816-09-2

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Torsten Reiprich "Scharlachtöchter “

Einen wunderschönen, fast schon ein wenig altmodisch und außerhalb dieser hektischen Zeit stehenden Gedichtband, hat mir Kollege Roland hier zukommen lassen. Die Gedichte beschreiben im wesentlichen natu(e)rliche Schönheit und rühren tief im Inneren des Lesers. Keine Lektüre zum Nebenherlesen, um sich einen Thrill zu holen oder voller revolutionärer Aufschreie; aber eine Lektüre zum genießen, denken, entspannen und im Fluss mit Prozessen, deren Bewusstheit von Menschen in die unterste Ebene der Erinnerungen gedrängt wird. Ich erspare es mir an dieser  Stelle, jedes Gedicht einzeln aus dem kausalen Zusammenhang zu reißen und möchte es nicht nur den Romantikern unter euch ans Herz legen.

Musikzeitschrift G.U.C. Nr.17          S.109